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Hildegard von Bingen und die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM): Ganzheitliche Heilkunst im Vergleich

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Hildegard von Bingen und die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM): Ganzheitliche Heilkunst im Vergleich

Naturheilpraxis für Prävention und Therapie
Veröffentlicht von Agnieszka See · Montag 15 Sep 2025 · Lesezeit 3:15
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und die Lehre der Hildegard von Bingen

haben sich unabhängig voneinander in völlig unterschiedlichen Kulturen entwickelt – und doch weisen sie erstaunliche Parallelen auf.
Während Hildegard im 12. Jahrhundert als Benediktinerin und Mystikerin in Europa ein christlich geprägtes Heilsystem entwickelte, blickt die TCM auf über 2000 Jahre Geschichte in China zurück, geprägt von Daoismus, Konfuzianismus und Naturbeobachtung.

👉 Für Heilpraktiker eröffnet sich hier eine wertvolle Möglichkeit: altes Wissen aus Ost und West kombinieren, um Patienten ganzheitlich zu begleiten.


Historischer Hintergrund

Hildegard von Bingen

  • lebte von 1098 bis 1179 im Rheinland
  • verband Theologie, Medizin und Naturkunde
  • sah Krankheiten als Folge von Disharmonie zwischen Körper, Seele und Gott
  • ihre Hauptquellen: Visionen, Klosterwissen, antikes und volkstümliches Heilwissen


Traditionelle Chinesische Medizin

  • Ursprung: 2.000–3.000 Jahre alte Texte wie das Huangdi Neijing (Der Gelbe Kaiser)
  • basiert auf Naturbeobachtungen, Yin-Yang-Theorie und Fünf-Elemente-Lehre
  • Krankheit entsteht durch Ungleichgewicht im Energiefluss (Qi) oder durch innere/äußere pathogene Faktoren


Philosophische Grundlagen

Hildegard

  • Der Mensch ist „Mikrokosmos“ im „Makrokosmos Gottes“
  • Gesundheit entsteht durch Harmonie von Körper, Seele und Spiritualität
  • Krankmachend: Sünden, Laster, seelische Disharmonie, schlechte Ernährung


TCM

  • Der Mensch ist eingebettet in Himmel und Erde, Teil der Natur
  • Gesundheit = Harmonie von Yin und Yang, freier Qi-Fluss, Gleichgewicht der Elemente
  • Krankmachend: Ungleichgewicht, Emotionen, Lebensstil, äußere Einflüsse (Kälte, Hitze, Feuchtigkeit)



Elemente-Lehre im Vergleich

Hildegard / Humoralpathologie: Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle → Balance entscheidet über Gesundheit.

TCM / Fünf-Elemente-Lehre: Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser → beeinflussen Organe, Psyche, Naturzyklen.

👉 Beide Systeme sehen den Menschen in energetischen Kreisläufen.


Ernährung als Heilmittel

Hildegard von Bingen

  • Dinkel = „bestes Getreide“, stärkt Körper & Seele
  • Fenchel = fördert Verdauung & Lebensfreude
  • Kastanie = stärkt Nerven & Knochen
  • Bertram = verdauungsfördernd, immunstärkend


TCM-Diätetik

  • Lebensmittel nach Geschmack (süß, bitter, scharf, salzig, sauer) und Thermik (warm, kalt, neutral) beurteilt
  • Ernährung stärkt Organe: z. B. süß → Milz, bitter → Herz, scharf → Lunge


Verbindende Beispiele

  • Dinkel → tonisiert Milz (Erde-Element)
  • Fenchel → warm, bewegt Qi, lindert Blähungen
  • Kastanie → stärkt Niere & Milz
  • Bertram → transformiert Feuchtigkeit, fördert Verdauung

👉 Beide Systeme betonen: Ernährung ist Medizin.


Kräuter und Heilpflanzen

Hildegards Heilpflanzen

  • Galgant: Herzstärkung, Kreislauf
  • Quendel (Thymian): reinigt Atemwege, stärkt Lunge
  • Bertram: Stoffwechsel, Verdauung


TCM-Kräuter

  • Ginseng (Ren Shen): tonisiert Qi, stärkt Milz & Lunge
  • Ingwer (Sheng Jiang): vertreibt Kälte, fördert Verdauung
  • Dong Quai (Angelica sinensis): nährt Blut, Frauenheilkunde


👉 Viele Überschneidungen: wärmende, verdauungsfördernde Kräuter sind in beiden Traditionen zentral.


Emotionen und Spiritualität

Hildegard

  • Emotionen und Sünden wirken körperlich krankmachend
  • Heilung durch Gebet, Gesang, Musik, Licht, spirituelle Reinigung


TCM

  • Jede Emotion schwächt ein bestimmtes Organ:
Trauer → Lunge
Angst → Niere
Wut → Leber
  • Heilung durch Qigong, Meditation, Akupunktur


👉 Beide Systeme verstehen Krankheit als seelisch-körperliche Einheit.


Therapieansätze für Heilpraktiker

1. Diagnosekombination:

Hildegards Konstitutionstypen + TCM-Puls- und Zungendiagnose

2. Ernährungskonzepte:

Hildegards Dinkel- und Kräuterlehre + TCM-Diätetik (Thermik, Geschmack, Organbezug)

3. Kräuter & Phytotherapie:

westliche Heilpflanzen nach Hildegard (Galgant, Fenchel) mit TCM-Kräutern kombinieren

4. Seele & Körper:

Musik, Meditation & Spiritualität (Hildegard) + Qigong, Atemübungen, Akupunktur (TCM)

5. Praxisbeispiele:

Patient mit Verdauungsproblemen & Erschöpfung:
Dinkelsuppe (Hildegard)
Akupunktur Milz/Magen (TCM)


Patient mit Trauer & Atemproblemen:
Quendel-Tee (Hildegard)
Akupunktur Lungen-Meridian + Atem-Qigong (TCM)


Zwei Traditionen – ein Ziel

Ob Hildegard von Bingen oder TCM – beide Systeme zeigen:

  • Der Mensch ist ein ganzheitliches Wesen.
  • Ernährung, Pflanzenheilkunde und seelisch-spirituelle Arbeit sind Basis der Heilung.
  • Heilpraktiker können Brücken schlagen und ihren Patienten einen Ost-West-Heilansatz bieten, der Körper, Seele und Geist einbezieht.


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📚 Literatur & Quellen

Strehlow, W. (2015): Die Ernährungslehre der Hildegard von Bingen. Theseus Verlag.

Hertzka, G., Strehlow, W. (2012): Großes Hildegard-Heilbuch. Herder Verlag.

Maciocia, G. (2015): The Foundations of Chinese Medicine. Churchill Livingstone.

Unschuld, P. (2013): Medizin in China: Eine Ideengeschichte. C.H. Beck.

Flaws, B. (2005): The Emotional Aspects of the Five Elements. Blue Poppy Press.

Deadman, P. (2007): A Manual of Acupuncture. Journal of Chinese Medicine Publications.



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Agnieszka See
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